Titus Stahl

Niederländische Uniproteste in der ZEIT

Die ZEIT berichtet über die niederländischen Uni-Proteste:

Die humanistische Bildung, die mehr als plumpe Berufsqualifikation vermitteln will, scheint in der westlichen Welt einen langsamen Tod zu sterben, zu Grabe getragen von einem stetig wachsenden Kader von Bürokraten, die den Übergang vom Lernen zum Profit sicherstellen sollen, den Übergang in klassische “bullshit jobs”, wie es der Anthropologe David Graeber sagt, einer der ersten prominenten Unterstützer der Nieuwe Universiteit. In seinem neuen Buch über Bürokratie beschreibt er ein “eisernes Gesetz des Liberalismus”: “Jede Reform, die marktwirtschaftliche Kräfte fördern will, resultiert in einer Zunahme von Regulierungen, Papierkrieg und der Anzahl an Bürokraten, die der Staat anstellt.” Genau das passiert laut Hagendijk an den Unis, die auf Evaluierung, Prüfungen, Punkteverwaltung und Mittelakquise setzen: “Das Entwerfen, Schreiben, Einreichen, Überarbeiten, Neueinreichen dieser Berichte ist so aufwendig, dass für die eigentliche Forschung gar keine Zeit mehr bleibt.” Dazu komme, “dass der administrative Overhead, den dieses System nötig macht, nicht von den so akquirierten Mitteln gedeckt wird”. Unterm Strich steht also nicht nur weniger Zeit, sondern paradoxerweise auch weniger Geld zur Verfügung. Das Mittel überwuchert den Zweck.